Blog / Impulse

Zukunft als Raum der Möglichkeiten

Etymologisch bedeutet Zukunft soviel wie Kommen, Herankunft, Ankunft. In Anlehnung an K. D. Platsch und T. Fuchs wird die vitale Zukunft durch den Antrieb, die Wünsche und Triebe bestimmt. Es geht um die Erfüllung dessen, was »noch nicht« ist.

Als Verstandesmenschen definieren wir Zukunft in der Regel im Sinne einer finalen Zukunft. Wir folgen unseren Plänen und Projekten, unseren Lebensträumen und Zielen, und steuern auf deren Verwirklichung hin. In dieser Art von Zukunft überdenken wir die Spiel- und Handlungsräume unserer Möglichkeiten. Wir treffen Auswahl und Entscheidung.

Der finale Raum der Zukunft wird durch die Erfahrung der Vergangenheit, unsere Geschichtlichkeit, bestimmt. Zukunft wird zur Fortschreibung der Vergangenheit. Wir extrapolieren aus den Erfahrungen der Vergangenheit, aus unseren Gewohnheiten, Glaubenssätzen und Überzeugungen unsere Zukunft und engen sie damit stets auf das bereits Bekannte ein.

Legen wir stattdessen das, was noch nicht ist, das was sein wird, als Zukunft zugrunde, öffnet sich ein neuer, noch nicht bekannter Raum: die offene Zukunft. Dies ist ein Raum, in dem das Neue unmittelbar Platz findet. Ein nicht festgelegter, indeterminierter Raum hält die höchste Potenzialität des Neuen und damit einer wirklichen Zukunft bereit. Es ist weniger so, dass wir die Zukunft gestalten, als dass wir sie uns aneignen. Zukunft wird zu dem, was sie eigentlich ist: etwas, das auf uns zukommt. Es ist ein offenes »Noch-nicht«, das sich als freier, weiter Raum der neuen, unbekannten Möglichkeiten und eines neuen Sinns für Mögliches öffnet.

Gestaltung aus dem schöpferischen Raum aller Möglichkeiten kommt aus der offenen Zukunft. Je offener wir dem wirklich Neuen begegnen können, desto mehr Möglichkeiten öffnen sich für Gestaltung. Unsere Vorstellungen, Trends, Prognosen oder Statistiken schließen den Raum der Optionen, engen ihn ein auf bereits Bekanntes. Der Raum der offenen Zukunft öffnet sich in der Haltung des Nichtwissens, des Noch-nicht-Bekannten, mehr im Aneignen oder Empfangen, als im Machen oder gar Erzwingen.

Die Zukunft ist kein Ort, zu dem wir gehen, sondern eine Idee in unserem heutigen Bewusstsein. Etwas, das wir erschaffen. Und das uns dabei verwandelt.

- Stephan Grosz -