Die Komplexität unserer Zeit ist ein großes Thema, das unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert. Durch kurzfristiges Denken entstehen Probleme, da man unvorbereitet für die Anforderungen der Zukunft bleibt. Aber auch umgekehrt: Eine ausschließliche Fokussierung auf das Langfristige bedeutet, dass man kurzfristig kaum die aktuellen Chancen, die in der jeder Veränderung liegen, sieht.

Das Ziel der strategischer Zukunftsgestaltung wird häufig allein darin gesehen, die Anpassungsfähigkeit, den »strategic fit«, an die Markt- oder Umweltbedingungen zu entwickeln, zu optimieren und an das schon Gegenwärtige anzugleichen. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Das wichtigere und ergänzende Gegenstück dazu ist der »strategic stretch«, die Ausweitung des eigenen Potenzials auf ein attratives Zukunftsbild hin.

»Die Zukunft ist kein Ort, zu dem wir gehen, sondern eine Idee in unserem heutigen Bewusstsein.

Etwas, das wir erschaffen. Und das uns dabei verwandelt.«  (Stephen Groz, Psychologe)

Es stellt sich also die Frage: Wollen wir uns weiter nur an Gegenwart und Vergangenheit orientieren, oder an der im Entstehen befindlichen Zukunft? Gelingt es uns, ein Bewusstsein für die Impulse aus der Zukunft zu entwickeln?

Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind somit das Tor zum erfolgreichen Wandel. Jedem grundlegenden Wandel, der durch Erkenntnis und Einsicht erfolgt, geht ein handlungsbegründendes Imaginieren voraus, das künftige Wirklichkeiten vergegenwärtigt. Auch für das größte und fernste Ziel kann nur im gegenwärtigen Augenblick gehandelt werden. Um die Spuren der Zukunft in der Gegenwart zu finden, aufzugreifen und verwirklicken zu können, um das Neue in die Welt zu bringen, brauchen wir eine bewusste Auseinander- setzung mit den Fragen der Vergangenheit und der Zukunft.

»Zukunft gestalten im Dialog« ist ein gemeinsames Nachdenken, ein Reflektieren über Zukunft. Dieser Dialog muss sowohl systemisch- konstruktivistisch als auch transformativ sein, das heißt, er muss die Dynamik von System, Engpass und Persönlichkeit verstehen, Möglichkeitsräume und Chancenpotenziale eröffnen und letztlich Wirksamkeit und Resilienz erzielen. Zukunft versteht sich als das Denken und Entwickeln von Möglichkeitsräumen, die strategisch erschlossen und gestaltet werden wollen.

»Dialog ist die Kunst, gemeinsam zu denken.«  (William Isaacs)

Strategische Veränderung ist somit Kernaufgabe eines jeden für eine gesicherte Zukunft. Veränderung ist aber auch eine kontinuierliche Aufgabe, da nichts stillsteht, nichts bleibt, wie es eben erst war, sondern sich alles wandelt, verändert, transformiert, bis hin zum ursprünglich gesetzten Ziel, das auf dem Zeitstrahl der Veränderung ebenfalls Veränderung erfährt. Dadurch aber wird Leben lebendig, Entwicklung und Wachstum möglich, im Bewussten wie im Unbewussten.

Die Zukunft ist als Raum der Möglichkeiten der Raum unserer Freiheit.

- Karl Jaspers -

Strategisch Zukunft gestalten