Leben als Bewegung und Wandlung

Im westlichen Sprachgebrauch bezeichnet Taiji oftmals körperlich-meditative Übungen. Diese werden beispielsweise zur Entspannung oder aus anderen gesundheitlichen Gründen eingesetzt. Taiji ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vorbei sind die Zeiten, als die versammelten Schattenboxer im Park gelächelt wurden. Ein Grund mehr, sich auch mit den philosophischen Hintergründen der fernöstlichen Praktiken zu beschäftigen.

Innerhalb des Daoismus ist Taiji ein Ausdruck für das höchste Wirkprinzip. Genauer betrachtet, ist das Taiji ein harmonisches Wechselspiel zweier entgegengesetzter Kräfte: Yin und Yang. Ein erfülltes Leben besteht nun darin, die Harmonie dieses Wechselspiels nachzubilden.

Und genau dort setzt auch Taiji als biopsychosoziale Interventionsmethode an. Taiji vesucht mit seinen Übungen und Bewegungsbildern, Gegensätzliches zusammenzu- bringen und dadurch Einheit zu finden - etwas, worum sich auch die Philosophie auf geistiger Ebene bemüht.

Taiji stellt somit nicht nur einen integrativen und therapeutischen Ansatz für Körper und Geist dar, sondern bietet auch eine Lebensphilosophie, einen Weg für ein gesundes und ausgeglichenes Leben, sowie - in Verbindung mit persönlichem Coaching - einen Weg zu Selbstreflexion, Weltverständnis, Orientierung und damit auch Zukunftskompetenz.

»Wenn bestimmte innere Zusammenhänge

deutlich werden, prägen sie sich unserem

Bewusstsein ein und leiten es.«

Jean Gebser

(placeholder)

Verspannte Muskeln sind häufig die Ursache eingeschränkter Beweglichkeit, Schmerzen oder Beschwerden mit Krankheitswert. Vielen Menschen sind permanent verkürzte Muskeln, die viel Energie rauben, nicht mehr bewusst. Ein Neuerlernen der Wahrnehmung dieser Muskeln, wie es in der sensomotorischen Körperarbeit praktiziert wird, verbunden mit dem Loslassen und Entspannen im Rahmen der chinesischen Bewegungskunst Taijiquan bringen neue Energie, Kraft und Lebensqualität zurück.

Der Mensch stellt sich – wie der deutsche Psychologe und Begründer der Integralen Therapie Hilarion Gottfried Petzold betont – als ein komplexes Körper-Seele-Geist-Wesen dar, eingebunden in seine besondere Lebenswelt und Lebenszeit. Da Körper, Seele, Geist, Lebenswelt und Lebenszeit sehr individuell miteinander verwoben sind, muss Therapie, wenn sie den Anspruch auf Ganzheitlichkeit erhebt, alle diese Bereiche mit in den Blick nehmen. Der Leib als beseelter Körper tritt in den Vordergrund der Betrachtung.

Taiji verbindet in einzigartiger Weise Bewegung, Meditation, Energiearbeit, Lebenspflege und angewandter Philosophie und damit viele der oben genannten Aspekte. Es verbessert die Körperstruktur, macht den Energiefluss im Körper wieder durchgängig, stärkt die körpereigene Abwehr und fördert den Geist durch Lenkung der Aufmerksamkeit und Selbstwahrnehmung, sowie durch das Erlernen und Merken der einzelnen Bewegungsbilder aus der Taiji-Form.

Im Rahmen des Programms »Taiji als biopsychosoziale Therapie« wird mit Übungssequenzen aus der  Shizeng-Form gearbeite, die speziell für die Gesundheitsförderung entwickelt wurde, und die durch Übungen aus Qigong und der sensomotorischen Körperarbeit nach Prof Thomas Hanna ergänzt werden.

Die Verknüpfung unterschiedlichster Aspekte führt zu Entschleunigung im Alltag, Zunahme der Konzentrationsfähigkeit bei gleichzeitiger körperlicher Entspannung. Pathologische Konstellationen werden gelöst, körperliche sowie geistige Beweglichkeit gefördert und die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt


Wilfried Schmidt mit

Meister Chen Peishan, Mai 2019

Integrative Taiji-Therapie